Fastenzeit: Zwischenbilanz

Fasten, Beten, Almosen geben – diese Punkte sind im Christentum nicht voneinander trennbar. Die Fastenzeit stellt sie besonders in den Vordergrund, aber grundsätzlich sind sie immer wichtig. Freitag ist immer ein Fastentag, und auch ein intermittierendes Fasten kann sinnvoll sein.
Daß Fasten auch den Verzicht auf anderes als Essen und Genußmittel bedeuten kann, will ich nicht thematisieren (das tun genug andere). Für mich ist Fasten in der Tat zuvörderst eine starke Einschränkung im Essen, und zwar nicht um abzunehmen, auch wenn ich das als angenehmen Nebeneffekt dazubekomme.

Fasten heißt: Nicht satt werden. Damit erfahre ich in einem geringen Grade, wie es ist, nicht genug zu essen zu haben. Die oft beschworene Solidarität mit den Armen fällt leichter und ist glaubwürdiger, wenn man weiß, wie Hunger sich anfühlt.

Fasten heißt: Verzichten auf Dinge, die selbstverständlich und alltäglich scheinen, und merken, daß es ohne sie nicht ohne weiteres leicht geht, aber geht. Es heißt: wenig in der Küche sein, sich auf sehr billigem, sehr einfachen und nach ernährungsphysiologischen Maßstäben nicht genügendem Niveau ernähren und das gesparte Geld nicht für eigene Bedürfnisse verwenden, sondern weggeben. Es heißt: Damit klarkommen, daß es „wichtige“ Dinge jetzt einfach nicht gibt.

Fasten heißt: Die Zeit, die ich sonst für mein körperliches Wohlergehen aufwende, im Gebet verbringen – bei Gottesdiensten in der Kirche und auch zu Hause. Es heißt: Erfahren, daß Gott merkbar ist, indem man Ihm allein die Ehre gibt. Es heißt: Ein Bewußtsein dafür entwickeln, daß „Gott allein genügt“.

Fasten heißt: Sich freuen, nicht weil man selbst so gut ist (man ist es nicht), sondern weil Gott so gut ist. Merken, daß der Kopf klarer wird, die Seele beschwingter und die Umwelt erträglicher.

Und schließlich heißt Fasten: Ertragen lernen, daß in der Sekunde, wo man „Fasten“ sagt, von einer Seite gesagt wird „Das ist sehr gesund“ und von der anderen „Da muß man aber total aufpassen, sonst ist das ungesund“. Und das auch dann ertragen, wenn man ganz genau weiß, daß es hier gar nicht um die Gesundheit geht, daß die Gesundheit ein hohes, aber wahrlich nicht das höchste Gut ist – und daß einem das so gut wie niemand glaubt.

Fasten heißt, etwas nicht tun, was als normal angesehen wird, und etwas tun, was als vollkommen schräg und irgendwie auch gefährlich, sektiererisch, zumindest aber verrückt gilt.

Nachtrag: Dieser Beitrag wurde auf Matija Vudjans Blog Durchgedacht im Rahmen einer Blogparade zum Thema Fasten verlinkt.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Fastenzeit: Zwischenbilanz

  1. reverendpeter schreibt:

    Hat dies auf Life Church rebloggt.

  2. Matija Vudjan schreibt:

    Sehr geehrte Frau Sperlich,
    ich weiß nicht, ob sie meine Antwort auf Ihren Kommentar in meinem Blog bezüglich meiner Blogparade „Die Fastenzeit, die plurale Gesellschaft und ich“ gesehen haben – deswegen möchte ich Ihnen hier noch einmal schreiben:

    Liebe Frau Sperlich,

    entschuldigen Sie bitte, dass meine Antwort hier erst jetzt erscheint, krankheitsbedingt war
    es mir leider nicht vorher möglich, zu antworten. Ich hoffe, Sie nehmen mir das nicht zu sehr
    übel.

    Ich füge Ihren Beitrag gerne der Liste der Teilnehmenden oben zu. Ich möchte Sie dann nur
    bitten, vorher in Ihrem Beitrag einen kleinen Hinweis zu dieser Blogparade zu setzen.

    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Matija Vudjan

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