Was heißt hier Kirchenkrise?

Allenthalben ist von einer Kirchenkrise (besonders, aber nicht nur, der katholischen Kirche) die Rede. Vieles kommt zusammen. In der öffentlichen Meinung hat besonderes Gewicht, das einige katholische Priester grauenvolle Taten begangen haben – genau so grauenvolle übrigens wie zahlreiche nichtkatholische Nichtpriester. Daraus wird seit langem geschlossen, daß alle Katholiken abgrundtief böse sind oder bestenfalls dumme unterdrückte Hascherl, die es halt nicht besser wissen.

Und wenn man schon mal dabei ist: Ganz sicher finden sich auch berechtigte Urteile gegen Katholiken, in denen es um die Ahndung von Diebstahl, Betrug, Steuerhinterziehung oder nächtlicher Ruhestörung geht. Oder worum auch immer. Und daß es auch nichtkatholische Diebe, Betrüger, Steuerhinterzieher und Ruhestörer gibt, fällt nicht so auf – denn kein Journalist und kein böswilliger Nachbar sagt „Der da hat gegen ein Gesetz verstoßen, und übrigens ist er nicht katholisch“. Konfession scheint erst dann interessant zu werden, wenn ein konfessionell gebundener Mensch sich übel benimmt. Ist er einfach nur freundlich und gut, kann man höchstens sagen: „Netter Mensch, wenn auch katholisch.“

Man nimmt also der katholischen Kirche besonders übel, daß ihre Mitglieder nicht alle bessere Menschen sind als alle anderen. Bei einer Religionsgemeinschaft, zu deren Grundhaltung es gehört, sich selbst als sündhaft anzusehen, ist diese Form der Übelnehmerei logisch nicht so ganz gelungen.

Je länger ich der wundervollen, befreienden, hilfreichen katholischen Kirche angehöre, je mehr ich um ihre und meine und allgemein menschliche Unzulänglichkeiten weiß, desto wichtiger wird mir, zu ihr zu gehören. Es wird auch von hohen Würdenträgern der katholischen Kirche zur Zeit viel davon gesprochen, was man tun kann gegen die Kirchenkrise. Nun bin ich zwar aus verschiedenen Gründen (vor allem, weil ich nicht will! Außerdem auch, weil ich nicht kann) kein katholischer Würdenträger, d.h. die Würden, die ich mit mir herumtrage, sind die Menschenwürde und die Würde der Getauften – sonst keine. Aber eine brauchbare Idee zur Überwindung der Kirchenkrise habe ich auch.

Sie ist nicht besonders kompliziert, und vermutlich hatten auch andere sie schon. Aber in einem allgemeinen katholischen Brainstorming könnte sie vielleicht doch hilfreich sein.

Um die Kirchenkrise zu überwinden, sind folgende Schritte erfolgversprechend:

– Gehen Sie in die Kirche, sooft es geht!
– Beten Sie viel!
– Halten Sie sich an die Gebote, besonders an das Doppelgebot der Gottes- und Nächstenliebe!

Das wäre es schon. Und wie gesagt: Ich halte es für sehr erfolgversprechend.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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10 Antworten zu Was heißt hier Kirchenkrise?

  1. Xeniana schreibt:

    Reblogged this on Familienbande und kommentierte:
    Vielen Dank für diesen Artikel:)

  2. E.T.. schreibt:

    Das ist Seelennahrung der feinsten Sorte!
    Danke für diesen Eintrag!

  3. Josef Gottschlich schreibt:

    Fast dieselben Schlussworte habe ich den Kindern gestern Morgen beim Schülergottesdienst auch gesagt. Was ebenfalls wichtig ist: in der eigenen Seele immer wieder neu die Sehnsucht nach Einheit und Frieden zurückzuerobern, sich nicht mit dem Alleinsein zu begnügen oder es gar mit Stolz zu genießen. Und darauf zu achten, dass das Üben von Kritik auch einem SELBST schwer fallen, ja, auf gewisse Art auch schmerzen sollte, dies also niemals GERNE zu tun.

  4. Wolfram schreibt:

    Hey, ich kenn auch einen netten römisch-katholischen Priester! 😉

    Die römische Kirche stellt Ansprüche an die Gesamtgesellschaft. Sie steht für ein moralisches Gerüst, das die Mehrheit nicht anzunehmen bereit ist – ich will das gar nicht weiter diskutieren, manches halte ich aber für diskutabel und nicht für gottgegebene Ordnung – und muß sich natürlich den Vorwurf gefallen lassen, daß ihre Amtsträger (ich glaube, es geht mehr ums Amt als um die Würde) dem hohen moralischen Anspruch, den sie vertreten und scheinbar persönlich auch dem Rest der Welt auflegen, nicht genügen. Des Apostels Paulus „das Gute, das ich tun will, tue ich nicht, aber das Böse, das ich nicht tun will, das tue ich“ ist da keine Entschuldigung, erst recht kein Freibrief. Und die Buße ad hominem – nun ja, das ist ein heikles Thema.
    Ob es ein Trost ist, weiß ich nicht, aber ein Nichtkatholik, der seine Grundüberzeugung ähnlich konsequent umgesetzt hat, war Albert Schweitzer.
    Konsequent aus seiner Theologie für das Leben hat er die Atombombe abgelehnt. Dafür wurde ihm 1955 der Friedens-Nobelpreis verliehen – und wurde er in Frankreich komplett totgeschwiegen.

  5. Bettina Klix schreibt:

    Sehr schön, vielen Dank!
    Möchte noch auf etwas hinweisen, was den Blick weitet, in den Worten des Papstes, als er noch als Kardinal formulierte, was Kirche ausmacht, eben nicht nur die Lebenden, die sich abmühen wie wir, sondern: „Zu ihr gehören die Heiligen alle,von Abel und Abraham und all den Zeugen der Hoffnung, von denen das alte Testament uns berichtet, über Maria, die Mutter des Herrn, und seine Apostel, über Thomas Becket und Thomas Morus bis hinauf zu Maximilian Kolbe, zu Edith Stein, zu Pier Giorgio Frassati. Zu ihr gehören all die Unbekannten und Ungenannten, „deren Glauben niemand kennt als Er“, zu ihr gehören die Menschen aller Orte und aller Zeiten, deren Herz sich hoffend und liebend auf Christus hin ausstreckt, den „Anführer und Vollender des Glaubens“… “ (Aus: Zur Gemeinschaft gerufen. Kirche heute verstehen, 1992)

  6. Nils schreibt:

    „Man nimmt also der katholischen Kirche besonders übel, daß ihre Mitglieder nicht alle bessere Menschen sind als alle anderen.“ Nö, eigentlich nimmt man ihr übel, dass sie sich in der Mitte der Gesellschaft breitmachen will und sich nicht an deren Rand verkrümelt. Dort kann sie gerne ihren eigenen lustigen Regeln frönen, Kekse heiligen, das Wiederverheiraten als Scheitern betrachten und keine Homosexuellen verheiraten. Wäre alles ihre Sache.

    So aber wird sie sich weiter von Nichtrelegiösen anhören müssen, was sie zu ändern hat. Nicht weil man es ihr so gerne sagt, sondern weil sie sich unaufgefordert in jedes Gespräch einmischt – besonders wenn es um Familien geht.

    • Wolfram schreibt:

      Das, Nils, ist zu einfach gedacht.
      Denn sogenannte „Evangelikale“ sind nicht gerade dafür berühmt, „sich in der Mitte der Gesellschaft breitmachen“ zu wollen, und werden doch ständig angefeindet.
      Es reicht, anders zu sein als der angebliche Mainstream und noch dazu nicht zugeben zu wollen, daß der recht hat, der am lautesten schreit oder die Straße beherrscht.
      *denk* ein Evangelical Street Day wäre sicher mal eine Aktion – und würde bestimmt von allen niedergeschrien werden. Dabei wollen die doch auch bloß, daß ihr Anderssein toleriert wird… na ja, ich glaub, sie bleiben lieber die „Stillen im Lande“.

      Ach ja, „in jedes Gespräch einmischt“ – also in meine nicht. Aber es ist schon interessant, wie ein Verein mundtot gemacht werden soll, der immerhin 40% der Bevölkerung zu seinen Mitgliedern zählt, deutlich mehr als die Wählerstimmen der meisten deutschen Parteien, und erst recht extrem viel mehr als der pseudotolerante Humanistenverein.
      Und noch eins: Religere (verbinden) und Relegare (verschwinden lassen) soll man nicht verwechseln. Oder hat bei den „Relegiösen“ Kokskamerad Freud seine Finger im Spiel gehabt? 😉

  7. Nils schreibt:

    @ Wolfram:
    „Die römische Kirche stellt Ansprüche an die Gesamtgesellschaft. Sie steht für ein moralisches Gerüst, das die Mehrheit nicht anzunehmen bereit ist.“ Mehr ist dazu eigentlich gar nicht zu sagen. Mich persönlich würde die Meinung von Leuten wie beispielsweise Horst Seehofer nicht interessieren – das ist ja seine Sache. Wenn aber ein wiederverheirateter Katholik mit unehelichem Kind, der Ende der 80iger mal den Plan hatte, Aidskranke in Ghettos zu verfrachten, in der aktuellen Debatte erzählt, dass man die Lebensgemeinschaft von Homosexuellen nicht gleichberechtigen sollte, weil der liebe Gott das so nicht will, dann sollten er und andere sich mit solchen Kommentaren besser in ihre Kirchen schleichen.

    Oder um es mit Karl Kraus zu sagen:
    „Nichts ist billiger als sittliche Entrüstung.“ – wobei es eben noch billiger ist, sich innerhalb eines moralischen Konzeptes zu entrüsten, das so widersprüchlich ist, dass man selbst nicht bereit ist, sich ihm zu unterwerfen.

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