Ich werde belauert!

Zur Kenntnisnahme allen Seeräubern, Leitern strategischer Innovationen und Leberwürsten sowie allen gutwilligen Lesern.

Meinungsfreiheit ist aber – ja, ein hohes Gut, aber wenn ich meine Meinungfreiheit irgendwie dazu nutze, Glaubensbekenntnisse zu beleidigen oder mich über andere Leute lustig zu machen, muß man dann auch immer die Frage stellen, ja, ob das alles noch von der Meinungsfreiheit gedeckt wird.

Christopher Lauer im ZDF-Morgenmagazin am 18. September 2012

Im ZDF kommt ne christliche Messe. Wie in sonem Gottesstaat.

Christopher Lauer auf twitter am 12. Juli 2015

Was die Verwendung unfreundlicher Wörter angeht, so habe ich weder Schlangenbrut noch übertünchtes Grab gesagt. Und selbst das widerspräche nicht automatisch meiner Religion.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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20 Antworten zu Ich werde belauert!

  1. Violine schreibt:

    Oh je, Claudia, wenn ich diesen kurzen Abriss lese, dann scheint das ein arroganter, von sich eingenommener Typ zu sein. Oh je. Sich anzumassen, was christlich ist, so als Nicht-Christ. Arroganz pur.
    Weisst Du, wie alt er ist? Ob er immer noch rebellieren muss und so? Auffallen? (Ins Video guck ich mal lieber nicht rein, mir ist so schon schlecht.)

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Der Mann ist 31 Jahre alt, also durchaus erwachsen, und er ist eigentlich intelligent. Aber aus der Selbstbeschreibung auf seiner Homepage geht auch hervor, daß er ungewöhnlich eingenommen von sich ist.

  2. Laurentius schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,
    Das Problem liegt wahrscheinlich nicht in dem von Ihnen spontan vergebenen Kosenamen sondern vielmehr in dem von Ihnen zuvor erbrachten Beweis seiner Ignoranz. erinnert mich an gewisse Kinder, die Lehrer provozieren und dann mit Mutti und Anwalt drohen.
    Oder ist es eine Art vorauseilender Gehorsam gegenüber den dauerempörten Muselmanen?
    Abgesehen einmal davon: Wofür plädiert er eigentlich? Freiheitlich-säkular ist es jedenfalls nicht, wenn ich die Freiheit der Rede einschränke mit dem Hinweis einer möglichen Beleidigung. Abgesehen davon setzt eine Beleidigung ein konkretes Gegenüber eine Person oder eine Gruppe von Personen voraus. Man kann weder ein Bekenntnis noch eine Schrankwand beleidigen …
    Ach, ich denke mal wieder …

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun, sich abfällig über eine Religion äußern muß einerseits im Rahmen der Meinungsfreiheit geduldet werden, darf andererseits nicht pauschal verleumderisch gegenüber den Angehörigen dieser Religion sein. Man kann kein Bekenntnis beleidigen, aber die Menschen, die sich über dies Bekenntnis definieren. Der erste hier zitierte Satz ist m.E. richtig, auch wenn ich das Verbot einer – zugegeben erbärmlich schlechten – Satire auf dieser Grundlage zumindest zweifelhaft finde.
      Allerdings ist es leider wahr, daß eine Religion, deren Angehörigen Formen gewalttätigen Beleidigtseins leicht zugetraut werden, mehr Schutz erfährt als eine solche, die vollkommene Gewaltlosigkeit auch zum eigenen Nachteil gut findet.

  3. Jorge schreibt:

    Autsch.

    Joseph Bordat spricht von dumm, dümmer und am dümmsten. Wen er meint, lässt er rätselhaft offen, verlinkt aber immerhin auch hierher.

    Dankenswerterweise (oder dummerweise? Jedenfalls ehrlicherweise!) dokumentiert Claudia ihren Ausbruch hier vollständig. Für mich ergibt sich hieraus ein völlig anderes Bild als bei der Lektüre der Beiträge von Alipius und Huhn. Von dem Schimpfwort war darin keine Rede.

    Liest man diese Beiträge der katholischen Blogger, so bekommt man vielmehr den Eindruck, ein hasserfüllter Religionskritiker habe überreagiert und als er überführt war gleich seinen Anwalt angerufen. Wie immer sind „wir“ also die Opfer und nicht die Täter. In Wirklichkeit war es offenbar umgekehrt.
    Die warnende Reaktion Lauers auf so einen unmotivierten Angriff ist für mich vollkommen nachvollziehbar und gerechtfertigt. Von hasserfüllter Überreaktion keine Spur (bei Lauer, bei Claudia schon eher). Der Angriff Claudias ist nicht nur „unchristlich“, sondern vor allem dumm. Er verstärkt ja nur den ohnehin schon verbreiteten Eindruck, religiöse Menschen seien aggressive Spinner. So viel also zum Missionspotenzial katholischer Blogger.

    Dass sowas im Eifer des Gefechts mal passieren kann, gebongt.
    Aber eine Entschuldigung hätte Lauer sehr wohl verdient. Solche Entgleisungen auch noch mit selbstviktimisierendem Schulterklopfen zu honorieren, statt Claudia zurechtzuweisen und ihr klar zu machen, dass sie damit dem Ansehen der Christen zusätzlich schadet, ist unverantwortlich.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nein, Herr Lauer hat keine Entschuldigung verdient. Erstens, weil ich etwas von mir Gesagtes nicht entschuldigen kann, sondern allenfalls darum bitten, mir Entschuldigung zu gewähren. Zweitens, weil eine Bitte um Entschuldigung in diesem Zusammenhang jeder einzelne syrische, irakische, iranische, ägyptische, nigerianische… Christ verdient hat. Jeder einzelne. Vielleicht kann Herr Lauer ja mal mit der koptischen Gemeinde in Berlin anfangen.
      Also, Brief schreiben oder hingehen, zugeben, daß er etwas Instinktloses und Schändliches gesagt hat und bitten – nicht fordern -, daß die koptische (oder die syrische oder die aramäische) Kirche ihm das verzeiht.
      Denn was Herr Lauer da von sich gegeben hat, war nicht im Eifer des Gefechts gesagt, sondern überlegt – und schändlich.
      Übertrieben?
      Ach was.

      • Jorge schreibt:

        Das erinnert mich doch sehr an Watzlawicks Geschichte von dem Nachbarn mit dem Hammer.
        http://www.psychologie.tu-dresden.de/i2/klinische/psychotherapie_materialien/58_Die_Geschichte_vom_Hammer.pdf

        Diese ganze gedankliche Verbindung zwischen Lauers dummer Bemerkung und den verfolgten Christen in muslimischen Gottesstaaten existiert doch ausschließlich in Deiner eigenen Phantasie und hat mit der Aussage des Mannes überhaupt nichts zu tun. Weder im Wortlaut noch im Kontext seines Tweets spielen verfolgte Christen irgendeine Rolle. Dieses Thema hatte er überhaupt nicht auf dem Schirm, das ist allein Dein eigenes Konstrukt. Der Typ hat eine bissige Bemerkung über Frömmelei im Fernsehen gemacht (bzw. das, was er dafür hält), sonst nichts.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Für so unfassbar dämlich, daß er nicht einmal kapiert, was er mit der Verbindung „Christen“ und „Gottesstaat“ aussagt, halte ich Lauer nicht.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Noch einmal genau:
        1. Herr Lauer setzt die Tatsache, daß ZDF sonntags einen Gottesdienst zeigt, mit „Gottesstaat“ gleich.
        2. Im modernen Sprachgebrauch steht „Gottesstaat“ regelmäßig für eine Form der Diktatur, die ihren Ursprung in moslemischem Fanatismus hat.
        3. In keinem derartigen modernen „Gottesstaat“ können Christen ohne unmittelbare Gefahr für Leib und Leben Gottesdienst feiern.
        4. Ich muß davon ausgehen, daß Herr Lauer das weiß.
        5. Daraus ergibt sich, daß Herr Lauer diese Gleichsetzung bestenfalls ganz ohne Gedanken, sonst mit ausgesprochen gehässigen Hintergedanken unternommen hat, daß er also entweder gar nicht dachte oder bewußt kränkend handelte.
        6. Von vollkommener Gedankenlosigkeit gehe ich bei Herrn Lauer nicht aus. Man darf mir das, wenn man will, anlasten.

      • Jorge schreibt:

        Finde es eigtl. müßig, darüber nachzusinnen, was eine derartig gedankenlos-blöde Bemerkung für gedankliche Hintergründe gehabt haben könnte. Lauer hat ja noch nicht mal darüber nachgedacht, für wen solche Fernsehmessen ausgestrahlt werden (v.a. für Senioren, die es sonntags nicht mehr in die Kirche schaffen) und dass man Spartenprogramme im Fernsehen problemlos wegzappen kann, wenn man sich nicht dafür interessiert (siehe Huhns treffende Anmerkungen).

        Jdfs. machen Moslems und Christen aus religionskritischer Sicht keinen Unterschied, religiös ist religiös. Unverschämte Angriffe von Christen auf Twitter sind in der Weltsicht eines religionsfern sozialisierten 30-Jährigen bloß die Bestätigung seines Vorurteils, wonach Religion und aggressives Eiferertum zusammengehören. Boko Haram und solche Dinge sind ja nur die extreme Steigerung religiöser Gewalt, die mit aggressiven Christen (oder sonstigen „Theisten“) im Internet oder eben mit „christlichen Messen“ im Fernsehen anfängt.

        Dass das undurchdachter Quatsch ist, darüber müssen wir nicht reden. Das liegt alles ohnehin mehr auf der emotionalen als auf der rationalen Ebene.

        Lauer empfindet eine „christliche Messe“ im Fernsehen eben nicht als etwas Normales, sondern als exotisches Mätzchen, das mit normalen rationalen Ansprüchen an ein Fernsehprogramm nicht in Einklang zu bringen ist. Das liegt daran, dass er säkular denkt und Religion als fremd und unheimlich empfindet. Gerade die schrecklichen Ereignisse in Nahost und anderswo erinnern ihn daran, wohin solche irrationalen Auswüchse führen können. Deshalb kommt er – in seiner Logik ganz verständlich – auf den Ausdruck „Gottesstaat“.

      • Jorge schreibt:

        Bei Dir läuft der gedankliche Prozess dagegen ganz anders, weil Du den Ausdruck „Gottesstaat“ mit einem Bedrohungsszenario des Christentums durch „Feinde“ in Verbindung bringst. Darunter fallen für Dich extremistische Moslems, aber auch ignorante Religionskritiker.
        Die schrecklichen Ereignisse in Nahost und anderswo erinnern Dich deshalb nicht (wie Lauer) daran, wie bekloppt religiöser Glaube per se ist, sondern dass „Christen“ in Deiner Weltsicht beinahe „überall“ bedroht sind.
        Deshalb projizierst Du deine Wut auch auf Leute wie Lauer.

        Das ist natürlich genauso irrational wie Lauers Assoziation eines katholischen Sonntagsgottesdienstes mit religiösem Fanatismus. Weder bedrohen sunntische Extremisten in besonderer Weise Christen (Schiiten, Animisten, Juden, Nichtgläubige etc. sind ja genauso bedroht), noch gibt es eine vergleichbare Bedrohung durch Kirchenkritiker oder Säkularisten.
        Ganz im Gegenteil stehen Kirchenkritiker und Christen (und die allermeisten Muslime natürlich auch), was die Bedrohung durch islamistischen Extremismus angeht, auf derselben Seite.

        Der Unterschied ist jetzt, dass Du Lauer explizit mit einem Schimpfwort belegst, was er nicht getan hat und auch anschließend nicht tut, sondern nur mit der Aufforderung reagiert, das Schimpfwort zurückzunehmen. Damit treibst Du das Missverständnis, das auf unterschiedlichen gedanklichen Assoziationen und Hintergründen beruht, in die Eskalation.
        Du kannst natürlich beleidigen, wen Du möchtest, und Dich auch beleidigt fühlen, von wem Du willst, das geht mich an sich gar nichts an. Aber es beeinflusst natürlich das Bild, das andere vom Christentum gewinnen, und ist von daher ausgesprochen schädlich für Katholiken, darunter grds. auch mich.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Das ist eine klare Argumentation, die ich auch nachvollziehen kann. Ich bin dennoch der Ansicht, daß Lauer wissen kann, was er sagt. Daß ich ihn im Zorn mit einem groben Schimpfwort belegt habe, mag grundsätzlich falsch sein. Ich sehe nur keine Möglichkeit, ihm mit klarer Argumentation – so wie Du mir gegenüber – irgendetwas zu verdeutlichen.
        Was die Schädlichkeit für die Kirche angeht, habe ich leider die Erfahrung gemacht, daß es herzlich egal ist, was ich sage, Sachliches oder Emotionales, Freundliches oder Grobes.

      • KingBear schreibt:

        Nur am Rande anmerken möchte ich, dass „Arschloch“ beispielsweise in Lauers Ex-Partei, aber auch sonst unter vielen, z.T. durchaus auch akademisch gebildeten Berliner „Thirtysomethings“ zum normalen Umgangston gehört, wenn man gerade ein bisschen auf Krawall gebürstet ist. Es gibt zahlreiche Belege für die Verwendung dieses Begriffs sowohl mit Bezug auf Lauer als auch durch ihn selbst. Wenn da jedesmal ein Anwalt eingeschaltet worden wäre…

      • Claudia Leitner schreibt:

        @ King Bear
        Trotzdem sollte der Christ ja die Sünde verachten und nicht den Sünder, oder😉

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Was den Unterschied zwischen Sünder und Sünde angeht, so mache ich ihn schon. Ich behaupte nicht, daß Lauer nun direkt teuflisch ist. Nur, daß er einen schlechten Charakter hat.

  4. Claudia Leitner schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,

    rein rechtlich kann ich Ihnen da keine großen Hoffnungen machen.
    Ich fürchte es würde Ihnen so gehen wie dem Theatermacher Claus Peymann, der den Burgschauspieler Fritz Muliar öffentlich als „100-prozentigen Volltrottel“ bezeichnet hat. Er wurde verurteilt obwohl sogar der Richter zugeben musste, dass er damit rein sachlich nicht ganz falsch lag😉 Aber ist ja in Deutschland ohnehin ein Antragsdelikt – also wo kein Kläger da kein Richter.
    Zwei Bemerkungen seien mir gestattet: erstens würde ich IS nicht als „Gottesstaat“ bezeichnen. Das ist gar kein Staat sondern nur ein von Verbrechern derzeit okkupiertes Territorium. Man sollte diese Leute nicht aufwerten. Zweitens kann man die Situation im Iran – bei aller Kritik daran – nicht mit der Situation in den IS Gebieten vergleichen. Ich habe selbst Bekannte in Teheran, die Christen sind. Und nach dem Leben getrachtet hat denen noch keiner.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nun ja, dem Pastor Youcef Nadarkhani hat der iranische Staat durchaus nach dem Leben getrachtet – die Todesstrafe wegen Apostasie wurde erst nach heftigen internationalen Protesten aufgehoben. Andere iranische Pastoren haben weniger Glück.
      Was den IS angeht: er definiert sich als Staat. Als „Gottesstaat“.
      Saudi-Arabien ist eine von martialischer Lesart des Islam geprägte Diktatur, zwar nicht de jure, aber de facto ein sog. Gottesstaat (ohne Trennung von Staat und Religion und mit nur einer legalen und staatstragenden Religion, dem salafistischen bzw. wahabitischen Islam).
      Was nun Lauer angeht: Er benutzt das im allgemeinen heutigen Sprachgebrauch für religiös geprägte Diktaturen verwendete Wort „Gottesstaat“. Nun gibt es unter den religiös geprägten Diktaturen heutzutage keinen, der nicht islamisch wäre, und keinen, der nicht mit dieser Begründung extrem unangenehm wäre.
      Lauer weiß das; so dämlich ist er nämlich auch wieder nicht.

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