Weder Tag noch Stunde

Dies ist mein Beitrag zum Blogoezesen-Adventskalender. Morgen ist Josef Bordat dran.

Ich weiß nicht, wann diese Welt endet – und ich brauche mich nicht einmal zu bemühen, es herauszubekommen, und gerade deshalb soll ich wach bleiben, nicht bummeln und nicht den Kopf in den Sand stecken. So steht es in Mk. 13,33-37:

Sehet zu, wachet und betet! Denn ihr wisset nicht, wann die Zeit da ist.
Es ist wie bei einem Menschen, der verreiste, sein Haus verließ und seinen Knechten Vollmacht gab, einem jeden sein Werk, und dem Türhüter befahl, daß er wachen solle: so wachet nun, denn ihr wisset nicht, wann der Herr des Hauses kommt, ob am Abend oder zur Mitternacht oder um den Hahnenschrei oder am Morgen; auf daß nicht, wenn er unversehens kommt, er euch schlafend findet.
Was ich aber euch sage, das sage ich allen:
Wachet!

Wachsam sein heißt, ein Auge auf die Bedürftigkeit des Nächsten zu haben, im Guten zu helfen, böse Taten nach Möglichkeit zu verhindern. Darüber wird in diesen Tagen viel Gutes und Wahres gesagt.

Wachsam sein heißt auch, die Zeichen der Zeit zu erkennen, und da kommt schon einiges zusammen. Jesus sagt in Mt. 24,4-28:

Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Sehet zu, daß euch niemand irreführe! Denn es werden viele unter meinem Namen kommen und sagen: Ich bin Christus, und werden viele irreführen. Ihr werdet aber von Kriegen und Kriegsgerüchten hören; sehet zu, erschrecket nicht; denn es muß so geschehen; aber es ist noch nicht das Ende. Denn ein Volk wird sich wider das andere erheben und ein Königreich wider das andere; und es werden hin und wieder Hungersnöte, Pest und Erdbeben sein. Dies alles ist der Wehen Anfang. Alsdann wird man euch der Drangsal preisgeben und euch töten; und ihr werdet gehaßt sein von allen Völkern um meines Namens willen.Und dann werden viele Anstoß nehmen und einander verraten und einander hassen. Und es werden viele falsche Propheten auftreten und werden viele verführen. Und weil die Gesetzlosigkeit überhand nimmt, wird die Liebe in vielen erkalten; wer aber ausharrt bis ans Ende, der wird gerettet werden. Und dieses Evangelium vom Reich wird in der ganzen Welt gepredigt werden, zum Zeugnis allen Völkern, und dann wird das Ende kommen.
Wenn ihr nun den Greuel der Verwüstung, von welchem durch den Propheten Daniel geredet worden ist, stehen sehet an heiliger Stätte (wer es liest, der merke darauf!), alsdann fliehe, wer in Judäa ist, auf die Berge; wer auf dem Dache ist, der steige nicht hinab, etwas aus seinem Hause zu holen; und wer auf dem Felde ist, der kehre nicht zurück, um sein Kleid zu holen. Wehe aber den Schwangern und den Säugenden in jenen Tagen! Bittet aber, daß eure Flucht nicht im Winter, noch am Sabbat geschehe. Denn alsdann wird eine große Trübsal sein, wie von Anfang der Welt an bis jetzt keine gewesen ist und auch keine mehr kommen wird. Und wenn jene Tage nicht verkürzt würden, so würde kein Fleisch errettet werden; aber um der Auserwählten willen sollen jene Tage verkürzt werden. Wenn alsdann jemand zu euch sagen wird: Siehe, hier ist Christus, oder dort, so glaubet es nicht. Denn es werden falsche Christusse und falsche Propheten auftreten und werden große Zeichen und Wunder tun, um womöglich auch die Auserwählten zu verführen.
Siehe, ich habe es euch vorhergesagt. Wenn sie nun zu euch sagen werden: Siehe, er ist in der Wüste, so gehet nicht hinaus; siehe, er ist in den Kammern, so glaubet es nicht. Denn wie der Blitz vom Osten ausfährt und bis zum Westen scheint, so wird auch die Ankunft des Menschensohnes sein. Wo das Aas ist, da sammeln sich die Adler.

Zwar ist die Behauptung, daß es „früher“ besser war (zumal wenn nicht dazugesagt wird, von wann bis wann früher), immer falsch. Es hat, wie unter anderem auch die Bibel immer wieder betont, keine Zeit in der Menschheitsgeschichte gegeben, in der nicht wirklich üble Dinge getan wurden.

Es gab allerdings noch nie zur gleichen Zeit so viele Massaker wie in unseren Tagen. Es ist abzusehen, daß nur noch wenige gläubige Christen übrigbleiben werden, wenn die Säkularisierung einerseits, Unterdrückung und Terror andererseits weiter andauern. Es gibt starke Anzeichen für die stetige Zunahme mörderischen und selbstmörderischen Verhaltens auch in Weltegenden, die noch relativ friedlich sind – Abtreibung und Euthanasie werden immer stärker als salonfähig und nachgerade selbstverständlich – im Falle von Verdacht auf Behinderungen gar als verpflichtend – angesehen; Meinungen, die dem säkularen Mainstream widersprechen, werden von demselben als fanatisch und gefährlich gebrandmarkt; der Umgang mit Schwachen – Armen, Behinderten, Kranken, Flüchtlingen – wird immer herzloser. Dies alles sind Anzeichen dafür, daß es mit der Welt zu Ende geht. Wie lange aber dies Zuendegehen sich hinziehen wird, weiß nur Gott.

Das läßt diese komischen Vögel, die sich Christen nennen, nicht nur trauern und zweifeln, manchmal bis zur unchristlichen Verzweiflung – auch wenn die nur zu menschlich ist angesichts von so viel Mord und Folter und Vergewaltigung. Es läßt sie auch immer wieder neu hoffen auf die Wiederkunft des Messias. Er wird wiederkommen – und obwohl ich das nicht immer mit der gleichen Gewißheit glauben kann, trotz aller Zweifel und aller Greuel, vertraue ich der Bibel und der Kirche. Beide sind viel älter und viel weiser als ich und verdienen mein Vertrauen. Und beide sagen:

ER WIRD WIEDERKOMMEN.

Möge Er bald kommen. Maranatha – komm, Herr Jesus!

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Weder Tag noch Stunde

  1. Pingback: Gott ist mit uns! Tür 23. | medio in mundo

  2. Benni schreibt:

    Hallo,
    komme leider erst jetzt dazu, euren Adventskalender „nachzulesen“. Wobei leider eigentlich falsch ist. Am Abend vor Weihnachten ist das irgendwie eine sehr tolle Einstimmung. Außerdem lernt man so neue Blogs kennen
    Mir kam ein Gedanke beim Lesen. Ich glaube der Satz „Früher war alles besser“ ist genauso falsch wie der Satz „So schlimm wie heute war es noch nie“. Ersteren verneinst du auch, letzteren nicht, wenn du schreibst, es gab noch nie so viele Massaker oder der Glaubensabfall war noch nie so hoch. Ich glaube das nicht. Ich will nicht während des 30Jährigen Krieges, während der Kreuzzüge oder während des dritten Reiches gelebt haben. Ich glaube, die Menschen waren nie schlimmer oder zu weniger Grausamkeiten bereit. Ebenso halte ich auch die häufige Klage, der Glaube gehe ein, für eine Fehleinschätzung. Die Medienlandschaft versorgt uns täglich mit diesen Eindrücken. Gewalttaten erreichen uns heute anders, weil wir sie in Text und Farbe miterleben dürfen. Und jede Kirchenaustrittswelle wird direkt dokumentiert. Ich glaube, das Informiertsein ist anders, nicht der Zustand der Welt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Weniger bereit zum Bösen waren sie nie, das stimmt.
      Aber sie hatten auch noch nie so gute Fernwaffen. Nicht einmal der grauenvolle Dreißigjährige Krieg mit Kanonen und Handfeuerwaffen konnte so viel Zerstörung anrichten wie heute einfach technisch möglich ist.
      Daß übrigens eine wichtige Stadt in einem alten christlichen Land schlichtweg nicht einen einzigen Christen mehr beherbergt, weil alle entweder getötet oder verkauft oder vertrieben wurden, das ist in der Tat eine neue Dimension. Ich denke mir das nicht aus. Mosul ist derzeit „christenfrei“.
      Wir dürfen in Europa noch Christen sein und riskieren dabei in aller Regel nicht unser Leben, nur vielleicht unseren Ruf, aber ich nehme an, das wird nicht mehr lange so sein.

      • Benni schreibt:

        Die technischen Möglichkeiten erzeugen neue Dimensionen, das stimmt. Da seh ich aber den Unterschied jetzt zu vor 100 Jahren an gestiegenem Ausmaß der Grausamkeit auch nicht wahnsinnig viel.
        Den Abgesang kann ich allerdings nicht teilen. Es gab immer wieder Religionen, die einander verfolgt. Manchmal haben gar die Konfessionen sich gegenseitig ausgelöscht. Oder zumindest versucht. Da waren Christen nicht besser als die Isis im Irak. Dass deswegen eine Religion ausstirbt, gerade eine der sogenannten Großen, hat dabei noch keine der anderen geschafft und wird sie auch jetzt nicht.

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Nun, ich schrieb, daß unter Umständen (d.h. wenn die Umstände sich nicht sehr ändern) nur noch wenige gläubige Christen übrigbleiben werden. Sehr wenige – nicht: gar keine. Aussterben wird das Christentum nicht, das glaube ich keine Sekunde – aber es werden viele Menschen sich davon abwenden, und von denen, die sich nicht abwenden, werden täglich viele ermordet. Das ist Gegenwart.
        In der Tat meine ich, die sachliche Beschreibung der Welt, wie sie jetzt gerade ist, und weite Stellen der Offenbarung des Johannes sind ziemlich deckungsgleich.
        Übrigens finde ich den letzten Absatz meines Artikels nicht besonders pessimistisch.

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